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Die Zeit des Weltbildes

für die Forschung wesentlichen Charakter. Soll der entworfene Bezirk gegenständlich werden, dann gilt es, ihn in der ganzen Mannigfaltigkeit seiner Schichten und Verflechtungen zur Begegnung zu bringen. Deshalb muß das Vorgehen den Blick für die Wandelbarkeit des Begegnenden frei haben. Nur im Gesichtskreis des Immer-Anderen der Veränderung zeigt sich die Fülle des Besonderen, der Tatsachen. Die Tatsachen sollen aber gegenständlich werden. Das Vorgehen muß daher das Veränderliche in seiner Veränderung vorstellen, zum Stehen bringen und gleichwohl die Bewegung eine Bewegung sein lassen. Das Stehende der Tatsachen und die Beständigkeit ihres Wechsels als solchen ist die Regel. Das Beständige der Veränderung in der Notwendigkeit ihres Verlaufs ist das Gesetz. Erst im Gesichtskreis von Regel und Gesetz werden Tatsachen als die Tatsachen, die sie sind, klar. Tatsachenforschung im Bereich der Natur ist in sich das Aufstellen und Bewähren von Regel und Gesetz. Das Verfahren, wodurch ein Gegenstandsbezirk zur Vorstellung kommt, hat den Charakter der Klärung aus dem Klaren, der Erklärung. Sie bleibt immer doppelseitig. Sie begründet ein Unbekanntes durch ein Bekanntes und bewährt zugleich dieses Bekannte durch jenes Unbekannte. Die Erklärung vollzieht sich in der Untersuchung. Diese geschieht in den Naturwissenschaften je nach der Art des Untersuchungsfeldes und der Erklärungsabsicht durch das Experiment. Aber die Naturwissenschaft wird nicht erst durch das Experiment zur Forschung, sondern das Experiment wird umgekehrt erst dort und nur dort möglich, wo die Naturerkenntnis sich zur Forschung umgewandelt hat. Weil die neuzeitliche Physik eine im wesentlichen mathematische ist, deshalb allein kann sie experimentell sein. Weil nun aber weder die mittelalterliche doctrina noch die griechische ἐμπειρία Wissenschaft sind im Sinne der Forschung, deshalb kommt es dort nicht zum Experiment. Zwar hat Aristoteles erstmals begriffen, was ἐμπειρία (experientia) heißt: das Beobachten der Dinge selbst, ihrer Eigenseihaften und Veränderungen unter wechselnden


Martin Heidegger (GA 5) Holzwege