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Die Zeit des Weltbildes

Bedingungen und somit die Kenntnis der Weise, wie sich die Dinge in der Regel verhalten. Aber ein Beobachten, das auf solche Kenntnisse abzielt, das experimentum, bleibt von dem, was zur Wissenschaft als Forschung gehört, vom Forschungsexperiment, wesentlich verschieden; auch dann, wenn die antiken und mittelalterlichen Beobachtungen mit Zahl und Maß arbeiten; auch dort, wo das Beobachten bestimmte Vorrichtungen und Werkzeuge zuhilfe nimmt. Denn hierbei fehlt durchgängig das Entscheidende des Experiments. Dieses beginnt mit der Zugrundelegung eines Gesetzes. Ein Experiment ansetzen heißt: eine Bedingung vorstellen, dergemäß ein bestimmter Bewegungszusammenhang in der Notwendigkeit seines Ablaufs verfolgbar und d. h. für die Berechnung im voraus beherrschbar gemacht werden kann. Das Ansetzen des Gesetzes aber vollzieht sich aus der Hinsicht auf den Grundriß des Gegenstandsbezirkes. Dieser gibt das Maß und bindet das vorgreifende Vorstellen der Bedingung. Solches Vorstellen, worin und womit das Experiment anhebt, ist kein beliebiges Einbilden. Deshalb sagte Newton: hypotheses non fingo, die Zugrundelegungen sind nicht willkürlich erdacht. Sie sind aus dem Grundriß der Natur entfaltet und in diesen eingezeichnet. Das Experiment ist jenes Verfahren, das in seiner Anlage und Durchführung vom zugrundegelegten Gesetz her getragen und geleitet wird, um die Tatsachen beizubringen, die das Gesetz bewähren oder ihm die Bewährung versagen. Je exakter der Grundriß der Natur entworfen ist, um so exakter wird die Möglichkeit des Experiments. Der vielberufene mittelalterliche Scholastiker Roger Bacon kann daher niemals der Vorläufer des neuzeitlichen experimentierenden Forschers sein, sondern er bleibt lediglich der Nachläufer des Aristoteles. Denn inzwischen ist durch das Christentum der eigentliche Besitz der Wahrheit in den Glauben, in das Fürwahrhalten des Schriftwortes und der Kirchenlehre verlegt worden. Die höchste Erkenntnis und Lehre ist die Theologie als Auslegung des göttlichen Wortes der Offenbarung, das in der Schrift niedergelegt


Martin Heidegger (GA 5) Holzwege