Hierbei ist zu unterscheiden zwischen Bewegtheit und Bewegung, desgleichen zwischen Ruhigkeit und Ruhe. Bewegtheit meint das Wesen, aus dem sich Bewegung und Ruhe bestimmen. Ruhe gilt dann als das »Aufhören« (παύεσθαι Met. Θ 6,1048b 26) der Bewegung. Das Fehlen von Bewegung läßt sich als Grenzfall dieser (=0) berechnen. Aber gerade die so als Abart der Bewegung begriffene Ruhe hat gleichwohl zu ihrem Wesen die Bewegtheit. Deren reinste Wesensentfaltung ist dort zu suchen, wo die Ruhe nicht Aufhören und Abbruch der Bewegung bedeutet, sondern wo die Bewegtheit sich in das- Stillhalten sammelt und dieses Innehalten die Bewegtheit nicht aus, sondern ein, ja nicht nur ein, sondern erst aufschließt; z.B. όρα άμα καΐ εώρακε (vgl. a.a.O., b23): »einer sieht und sehend hat er (eben) zumal auch schon gesehen«. Die Bewegung des Sichumsehens und Nachsehens ist eigentlich erst höchste Bewegtheit in der Ruhigkeit des in sich gesammelten (einfachen) Sehens. Solches Sehen ist das τέλος, das Ende, worin sich die Bewegung des Ausblickens erst auffängt und wesentlich. Bewegtheit if*. (»Ende« nicht Folge des Aufhörens der Bewegung, sondern Anfang der Bewegtheit als auffangendes Aufbehalten der Bewegung.) Die Bewegtheit einer Bewegung besteht somit zuhöchst darin, daß die Bewegung des Bewegten sich in ihrem Ende, τέλος, auffängt und als so aufgefangene im Ende sich »hat«: εν τέλει εχει: ενχελέχεια, das Sich-im-Ende-Haben. Statt des von ihm selbst geprägten Wortes ἐντελέχεια gebraucht Aristoteles auch das Wort ενέργεια. Hier steht für τέλος ἔργον, das Werk im Sinne des Herzustellenden und Her-gestellten. Ένέργεια besagt griechisch gedacht: Im-Werk-Stehen; das Werk als das, was voll im »Ende« steht; aber das »Vollendete« ist wieder nicht gemeint als das »Abgeschlossene«, sowenig wie τέλος den Schluß bedeutet, sondern τέλος und εργον sind, griechisch gedacht, durch das εἶδος bestimmt und nennen die Art und Weise, wie etwas »endlich« im Aussehen steht.
Von der als ἐντελέχεια begriffenen Bewegtheit aus müssen wir jetzt versuchen, die Bewegung eines Bewegten als eine Art