gesagt wird, drückt gerade eine Weise seines Seins aus. Er will sagen, daß dergleichen Dinge wie Kentaurn nur einbildungsweise vorhanden sind. Dieser Satz ist eine Aussage über Existenz. Es muß in gewisser Weise Vorhandensein im weitesten Sinne mitgedacht werden, damit dieser Satz überhaupt in seiner einschränkenden Form und Bedeutimg verstanden wird. Er will sagen: Die Kentaurn existieren nicht wirklich, sondern sind nur Erfindungen der Poeten. Dieser Satz ist wiederum kein wörtliches Urteil; das ›ist‹ besagt auch nicht Existieren im Sinne des Vorhandenseins, es drückt aber dennoch einen Modus des Seins aus.
Alle diese genannten Sätze enthalten noch eine weitere Bedeutung in ihrem ›ist‹, sofern in allen Sätzen als ausgesprochenen ihr Wahrsein implizit mitgesagt ist. Das ist der Grund dafür, daß Lotze auf die Theorie der Nebengedanken stößt. Wie dieses Wahrsein mit dem ›ist‹ selbst zusammenhängt, — wie in der Einheit einer Aussage diese verschiedenen Bedeutungen des ›ist‹ zusammendrängen, muß die positive Analyse des Satzes ergeben, soweit wir sie in diesem Stadium unserer Betrachtungen durchführen können.
Um die Gesamtheit der verschiedenen Interpretationen der Kopula festzuhalten, formulieren wir kurz:
Erstens: Das Sein im Sinne des ›ist‹ hat keine eigenständige Bedeutung. Das ist die alte Aristotelische These: προσσημαίνει σύνθεσίν τινα, es bedeutet nur etwas in einem verbindenden Denken.
Zweitens: Dieses Sein besagt nach Hobbes Grundsein der Verbindbarkeit von Subjekt und Prädikat.
Drittens: Das Sein besagt Wassein, esse essentiae.
Viertens: Das Sein ist in den sogenannten wörtlichen Sätzen identisch mit Bedeuten, oder aber es besagt soviel wie Existieren im Sinne des Vorhandenseins, esse existentiae (Mill).
Fünftens: Das Sein besagt das im Nebengedanken jedes Urteils ausgesagte Wahr- bzw. Falschsein.