Sechstens: Das Wahrsein ist — damit gehen wir zu Aristoteles zurück — der Ausdruck eines Seienden, das nur im Denken ist, nicht aber in den Dingen.
Zusammenfassend gesagt: Im ›ist‹ liegt beschlossen: 1. Etwas-sein (zufälliges), 2. Was-sein (notwendiges), 3. Wie-sein, 4. Wahr-sein. Sein von Seiendem besagt: Washeit, Wieheit, Wahrheit . Weil alles Seiende durch das Was und das Wie bestimmt ist und als Seiendes in seinem Wassein und Wiesein enthüllt ist , ist die Kopula notwendig mehrdeutig. Diese Mehrdeutigkeit aber ist kein ›Mangel‹, sondern nur der Ausdruck der in sich vielfältigen Struktur vom Sein eines Seienden — mithin des Seinsverständnisses überhaupt.
Die Frage nach dem Sein als Kopula ist nach den gegebenen Darstellungen an der Aussage und Aussage-Wahrheit, genauer am Phänomen der Verbindung von Worten orientiert. Die Charakteristik des ›ist‹ als Kopula ist keine zufällige Namensgebung, sondern der Ausdruck dafür, daß die Interpretation dieses als Kopula bezeichneten ›ist‹ sich an der ausgesprochenen, als Wortfolge geäußerten Aussage orientiert.
Es ist zu fragen: Trifft diese Kennzeichnung des ›ist‹ als Kopula den ontologischen Sinn des mit dem ›ist‹ ausgedrückten Seins? Kann der Ansatz der traditionellen Fragestellung bezüglich des ›ist‹ festgehalten werden, oder beruht nicht gerade die Verwirrung des Kopula-Problems darin, daß man dieses ›ist‹ im vorhinein als Kopula charakterisiert und darauf hin alle weiteren Problemstellungen einrichtet?