§72. Die Charakteristik des Aussagesatzes
(λόγος ἀποφαντικός) bei Aristoteles
Um unserer Aufgabe die innere Verbundenheit mit der Überlieferung zu sichern, zugleich aber, um das Elementare des Problems in seiner ganzen Einfachheit sichtbar zu machen, knüpfe ich an die Charakteristik des Aussagesatzes an, wie sie Aristoteles in verschiedenen seiner Abhandlungen gegeben hat. Zuvor ist jedoch noch einmal zu erinnern an das Problem: Welt ist Offenbarkeit des Seienden als solchen im Ganzen. Dabei wurden das >als< und das >im Ganzen< herausgehoben. Beide stehen im Zusammenhang mit der Offenbarkeit. Das >als< wurde im Sinne einer >Beziehung< gefaßt, eingeführt nur als formale Anzeige des >als<. Diese Beziehung ist zur Struktur des Satzes zugehörig. Der Satz ist dasjenige, was wahr oder falsch ist, d. h. was in Anmessung an das, worüber er aussagt, von diesem Kunde gibt, es offenbar macht. Das Ganze dieser Bezüge zwischen der >als<-Beziehung und der Satzstruktur und Satzwahrheit kommt, wenn wir recht zusehen, zutage in der ersten entscheidenden Interpretation, die Aristoteles vom λόγος gibt, freilich so, daß wir weder das >als<-Phänomen, noch jenen Charakter des >im Ganzen< ohne weiteres sehen und in den Griff bekommen.
Zur allgemeinen Orientierung darüber, wie ich das Problem des λόγος in Absicht und im Zusammenhang der Metaphysik entwickle, verweise ich auf Stellen, in denen ich das Logos-problem behandelt habe, und zwar in einer Form, die von der jetzigen abweicht; im Zusammenhang unseres Problems werden wir andere Richtungen des Fragens verfolgen: »Sein und Zeit« § 7 B, § 55 und § 44. – »Kant und das Problem der Metaphysik« § 7, § 11 und der ganze dritte Abschnitt des Buches. – »Vom Wesen des Grundes«, 1. Abschnitt, das Problem des λόγος bei Leibniz im Zusammenhang mit der metaphysischen Frage nach dem Sein. Das sind nur Hauptstationen innerhalb der Geschichte des Problems, sie geben keine