Ich muß in der jetzt zu gebenden Interpretation, die freilich das früher in »Sein und Zeit« Dargestellte nicht eigentlich aufhebt, wesentlich und entscheidend davon abweichen.
Wir sehen noch nicht den inneren Wesensbau des λόγος zentral, selbst wenn wir die möglichen Formen seiner Abwandlung, das positiv wahre und das positiv falsche, das negativ wahre und das negativ falsche Urteil, vollständig beachten. Das Wesen des λόγος besteht gerade darin, daß in ihm als solchem die Möglichkeit des ›entweder wahr oder falsch‹, des ›sowohl positiv als auch negativ‹ liegt. Gerade die Möglichkeit zu all diesen, und zwar roh bestimmten Weisen der Abwandlung ist das innerste Wesen des λόγος. Erst wenn wir das fassen, haben wir den Ort des Absprungs, von dem aus wir in den Ursprung zurückgehen. Der λόγος ist nicht ein vorhandenes Gebilde, das eben bald in dieser, bald in jener Form vorkommt, sondern er ist seinem Wesen nach diese Möglichkeit zu dem einen oder dem anderen. Wir sagen: er ist ein Vermögen zu ... Unter Vermögen verstehen wir immer die Möglichkeit zu einem Verhalten zu, d. h. die Möglichkeit zu einem Bezug zu Seiendem als solchem. Der λόγος ist ein Vermögen, d. h. in sich selbst das Verfügen über ein Sichbeziehen zum Seienden als solchem. Im Unterschied davon haben wir die Möglichkeit zum Benehmen, dem benommen-hingenommenen Bezogensein, Fähigkeit genannt.
Der λόγος ἀποφαντικός ist das Vermögen zum ›entweder-oder‹ des aufweisenden Entbergens und Verbergens in der Weise des Zuweisens sowohl als des Wegweisens, in welchem Aufweisen das ›ist‹ (Sein) in irgendeiner Bedeutung zum Ausspruch kommt. Der so orientierte Vermögenscharakter ist das Wesen des λόγος ἀποφαντικός, in ihm zentriert der Wesensbau. Von ihm aus müssen wir nachforschen, ob ein Hinweis in den Grund sichtbar ist, der solches Wesen ermöglicht. Was liegt diesem Vermögen des λόγος zugrunde, was muß ihm zugrunde liegen, wenn er als das soll wesen können, als was er sich uns bekundet, eben als Möglichkeit zum ›entweder-oder‹