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§ 6. Die Fragwiirdigkeit der Analogie des Seins

Ende) zusammengehen, oder eher dem: nach ›Analogie‹? Denn wie im Leib das Auge, so ist in der Seele der νοΰς das Blickende und also anderes in einem anderen.« Hier ist das κατ᾽ άναλογίαν (nach Analogie) durch das gleichstellende, aber ausschließende ή — ή unterschieden von dem άφ' ενός (von Einem her; vgl. έξ οΰ τά αλλα ήρηται, ob. S. 41) und von dem πρός ἕν συντελειν (auf Eines zu zusammengehen). Es ist also gerade an dieser Stelle zu beachten, daß hier ein anderer Begriff von Analogie vorliegt, der sich nicht deckt mit dem Kategorienverhaltnis (vgl. u. S. 58 f.).

So wenig all das im letzten durchsichtig sein mag, wir sehen, in welcher Richtung Aristoteles positiv die Einheit des ov zur Vielfachheit sucht. Und so durfte die Einheit des Fragebezirkes bestimmt sein, d. h. das Wie, gemäß dem das ov πολλαχῶς λεγόμενον — ἕν ist. Allein — wir erinnern uns: Aristoteles gebraucht das πολλαχῶς in einer weiteren und in einer engeren Bedeutung. Was wir jetzt eben erörterten, war das πολλαχῶς in der engeren Bedeutung, in der die Vielfachheit der Kategorien gemeint ist. Alle Kategorien aber zusammen mit der ersten machen doch nur eines aus innerhalb des weiteren πολλαχῶς als τετραχῶς.

Man hat aus dem obigen Satz von Met. Θ 1 Anf. schon im Mittelalter geschlossen, die erste leitende Grundbedeutung des Seins überhaupt — auch fur die vier Weisen zusammen, nicht nur fur die eine und deren Mannigfaltigkeit — sei die οὐσία, was man mit ›Substanz‹ zu übersetzen pflegt. Als müßte auch das Moglichsein und Wirklichsein und Wahrsein auf das Sein im Sinne von Substanz zurückgeleitet werden. Im 19. Jahrhundert hat man (vor allem Brentano) dazu um so mehr geneigt, als inzwischen Sein, Moglichsein, Wirklichsein als Kategorien erkannt worden waren. Es ist daher eine landläufige Meinung, die Aristotelische Lehre vom Sein sei eine ›Substanz-lehre‹. Das ist ein Irrtum, zum Teil erwachsen aus der unzureichenden Auslegung des πολλαχῶς; genauer: man hat übersehen, daß hienn erst nur eine Frage vorbereitet ist. (Auf diesem


Martin Heidegger (GA 33) Aristoteles Metaphysik IX 1-3