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Anhang

stehen und dies scheinbar ohne unser Zutun. Wir stehen in dieser Lichtung dergestalt, daß sie uns jeden Bezug zum Seienden – auch zu uns selbst – erst offenhält. Sie ist der tragende Grund unseres Menschseins, sofern dieses wesentlich durch die Auszeichnung bestimmt wird, zum Seienden als solchem sich zu verhalten und damit vom Seienden als solchem bestimmt zu werden. Aber die Lichtung des Seienden ist dieser tragendeGrund nur, sofern sie Lichtung ist für das zögernde Sichverbergen, für das Hereinwesen des Seyns selbst in das Gelichtete.Andererseits gilt aber wieder dies: Wäre der Mensch nicht seiend, dann könnte auch diese Lichtung nicht geschehen. DieLichtung für das Sichverbergen – die Wahrheit – ist der tragende Grund für das Menschsein, und dieses geschieht nur, indem es den tragenden Grund als solchen gründet und aussteht.Indem der Mensch seiend im Offenen des Seienden steht, muß er auch zugleich in einem Bezug stehen zu jenem Sichverbergenden. Der Grund des Menschseins muß durch das Menschsein als Grund gegründet werden.

Wollen wir daher das Wesen der Wahrheit in seiner Wesung begreifen, dann gilt es zu wissen, daß wir mit dem Vorstellen einer Richtigkeit des Erkennens nicht ausreichen – ja noch mehr, daß ein Vorstellen die Wesung der Wahrheit nie erreicht.Denn die Wahrheit als Lichtung für das Sichverbergen ist derGrund des Menschseins – ein anderes als wir selbst sind und dem wir doch zugehören, zugehören müssen, wenn wir ursprünglich die Wahrheit wissen wollen. Die Wesung der Wahrheit wird deshalb nur erreicht, wenn es gelingt, das geläufigalltägliche Menschsein gleichsam zu ver-rücken und es einrükken zu lassen in seinen Grund. Dazu bedarf es jenes Sprunges,den wir jetzt nur in seiner Entwurfsrichtung vorzubereiten vermögen.

Die Wahrheit aber wird als der Grund gegründet durch jenes, was wir das Dasein nennen, was den Menschen trägt und was ihm nur selten und nur den Schaffenden und Gründenden unter den Menschen zuweilen als Geschenk und Verhängnis


Martin Heidegger (GA 45) Grundfragen der Philosophie

Basic Questions of Philosophy pp. 179-180