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262. Der »Entwurf« des Seyns und das Seyn als Entwurf

Durch dieses Vorgehen wird scheinbar das Seyn selbst noch zum Gegenstand gemacht und das entschiedenste Gegenteil dessen erreicht, was der Anlauf der Seynsfrage bereits sich eröffnet hat. »Sein und Zeit« ist aber doch darauf angelegt, die »Zeit« als den Entwurfsbereich fUr das Seyn zu erweisen. Gewiß, aber wenn es dabei hatte bleiben sollen, dann wäre die Seinsfrage nie als Frage und somit als Erdenken des Fragwürdigsten entfaltet worden.

Daher galt es, an der entscheidenden Stelle die Krisis der notwendig so zunächst angelegten Seinsfrage zu überwinden und vor allem eine Vergegenständlichung des Seyns zu vermeiden, einmal durch das Zurückhalten der »temporalen« Auslegung des Seyns und zugleich durch den Versuch, die Wahrheit des Seyns unabhängig davon »sichtbar« zu machen (Freiheit zum Grunde in »Vom Wesen des Grundes«, aber gerade im ersten Teil dieser Abhandlung ist das Schema ontisch-ontologisch noch durchaus festgehalten). Die Krisis lieB sich nicht meistern durch ein bloßes Weiterdenken in der angesetzten Fragerichtung, sondern der vielfache Sprung in das Wesen des Seyns selbst mußte gewagt werden, was zugleich eine ursprünglichere Einfügung in die Geschichte forderte. Der Bezug ..., zum Anfang, der Versuch zur Klärung der ἀλήθεια als eines Wesenscharakters der Seiendheit selbst, die Begründung der Unterscheidung von Sein und Seiendem. Das Denken wurde immer geschichtlicher, d. h. die Unterscheidung zwischen historischer und systematischer Betrachtung wurde immer hinfälliger und ungemäßer.

Das Seyn selbst kündete sein geschichtliches Wesen an. Aber es blieb und bleibt doch eine Grundschwierigkeit: das Seyn soll in seinem Wesen entworfen werden, und der Entwurf selbst ist doch das»Wesen« des Seyns, der Ent-wurf als Er-eignung.

Die Entfaltung der Seinsfrage zum Erdenken des Seyns muB, je inständiger dieses im Seyn wird, um so rücksichtsloser jede vorstellungsmäßige Annäherung aufgeben und wissen lernen, daß es gilt, eine geschichtliche Ent-scheidung vorzubereiten,


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)

Contributions to Philosophy (of the Event) pp. 355-356