Überlieferte Sprache und technische Sprache1
Vorbemerkung
Die dem Thema zugrundeliegenden Sachverhalte sind so vielgestaltig, daß im Vortrag mu Weniges besprochen werden kann. Er soll auch nur dazu dienen, ein Anlaß zur Aussprache zu sein. Und diese wiederum soll nicht be-lehren, sondern lehren: d. h. lernen lassen. Das Lehren ist schwerer als das Lernen. Der rechte Lehrer ist den Schülern einzig darin voraus, daß er noch weit mehr zu lernen hat als sie, nämlich das Lernenlassen. (Lernen: das Tun und Lassen zu elem in die Entsprechung bringen, was sich uns jeweils an Wesenhaftem zuspricht.)
Der Titel des Vortrags: »Überlieferte Sprache und technische Sprache« mag befremden. Er soll es auch, um anzudeuten, daß die darin vorkommenden Namen – Sprache, Technik, Überlieferung – solches nennen, dem eine hinreichende Bestimmung fehlt. Hinreichend wohin? Dorthin, wo wir im Durchdenken der genannten Begriffe das erfahren, was heute ist, was unser Dasein angeht, bedroht und bedrängt. Diese Erfahrung ist nötig. Denn stellen wir uns blind gegenüber elem, was heute ist, und bleiben wir starr den geläufigen Vorstellungen über Technik und über Sprache verhaftet, dann entziehen oder beschneiden wir der Schule – ihrer Aufgabe und Arbeit – die bestimmende Kraft, die ihr zukommt.
»Die Schule« – das meint das ganze Schulwesen von der Volksschule bis zur Universität. Diese ist vermutlich die heute am meisten erstarrte, in ihrer Struktur zurückgebliebene Schule. Ihr Name »Universität« schleppt sich mu noch als ein Scheintitel fort. Entsprechend hängt auch der Name »Gewerbeschule« hinter dem zurück, worauf sie mit ihrer Arbeit im Industriezeitalter bezogen ist. Auch läßt sich bezweifeln, ob die Rede von der berufsbildenden Schule, von Allgemeinbildung, überhaupt von Bildung noch
1 Lehrgang fur Gewerbeschullehrer auf def Comburg, 18. Juli 1962.