daraus unmittelbar praktisch nichts machen laßt, ist der Sinn der Dinge. Darum wirft die Besinnung, die ihm nachsinnt, zwar keinen praktischen Nutzen ab, gleichwohl ist der Sinn der Dinge das Nötigste. Denn ohne diesen Sinn bliebe auch das Nützliche sinnlos und daher nicht einmal nützlich. Statt diese Frage für sich zu erörtern und zu beantworten, hören wir einen Text aus den Schriften des alten chinesischen Denkers Dschuang-Dsï, eines Schülers des Lao-Tse:3
Der unnütze Baum
Hui-Dsï redete zu Dschuang-Dsï und sprach. »Ich babe einen großen Baum. Die Leute nennen ihn Götterbaum. Der hat einen Stamm so knorrig und verwachsen, daß man ihn nicht nach der Richtschnur zers1igen kann. Seine Zweige sind so krumm und gewunden, daß man sie nicht nach Zirkel und Winkelmaß verarbeiten kann. Da steht er am Weg, aber kein Zimmermann sieht ihn an. So sind Eure Worte, o Herr, groß und unbrauchbar, und alle wenden sich einmütig von ihm ah.«
Dschuang-Dsï sprach: »Habt Ihr noch nie einen Marder gesehen, der geduckten Leibes lauert und wartet, ob etwas vorüber kommt? Hin und her springt er über die Balken und scheut sich nicht vor hohem Sprunge, bis er einmal in eine Falle gcr1it oder in einer Schlinge zugrunde geht. Nun gibt es aber auch den Grunzochsen. Der ist groß wie eine Gewitterwolke; mächtig steht er da. Aber M1iusc fangen kann er freilich nicht. Nun habt Ihr so einen großen Baum urn] bedauert, daß er zu nichts nütze ist. Warum pflanzt Ihr ihn nicht auf eine öde Heide oder auf ein weites leeres Feld? Da könntet Ihr untätig in seiner Nähe umherstreifen und
3 Dschuang-Dsï [Zhuangzi / Zhuang Zhou], Das wahre Buch vom südlichen Blütenland [Nan hua dschen ging]. Aus dem Chinesischen verdeutscht und erläutert von Richard Wilhelm. Eugen Diederichs, Jena 1923, S. 7, vgl. S. 33 ff. [Neuausgabe in Diederichs’ Gelber Reihe, Nr. 14, 9. Aufl., München 1996].