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XXXV. Überlieferte Sprache und technische Sprache

in Muße unter seinen Zweigen schlafen. Nicht Beil noch Axt bereiten ihm ein vorzeitiges Ende, und niemand kann ihm schaden.

Daß etwas keinen Nutzen hat: was braucht man sich darüber zu bekümmern!«


Zwei ähnliche Texte finden sich mit einigen Abwandlungen an anderer Stelle der Schrift »Das wahre Buch vom südlichen Blütenland«.4 Sie gew1ihren die Einsicht: Um das Nutzlose braucht man sich nicht zu kümmern. Kraft seiner Nutzlosigkeit eignet ihm das Unantastbare und Dauerhafte. Daher ist es verkehrt, an das Nutzlose den Maßstab der Nützlichkeit anzulegen. Das Nutzlose hat dadurch, daß sich aus ihm nichts machen läßt, seine eigene Größe und bestimmende Macht. In dieser Weise nutzlos ist der Sinn der Dinge.

Wenn wir somit eine Besinnung wagen auf die Sachen und Sachverhalte, die durch die Namen »Technik«, »Sprache«, »Oberlieferung« genannt sind, dann trägt ein solcher Versuch unmittelbar nichts aus fur diejenigen Überlegungen, die in diesem pädagogischen Lehrgang zur praktischen Unterrichtsgestaltung angestellt werden. Indes könnte sich dem Einblick in das Nutzlose ein Gesichtskreis öffnen, der alle pädagogisch-praktischen Überlegungen ständig und allerorten bestimmt, auch dann, wenn wir nicht eigens darauf achten.

Der jetzt gewagte Versuch einer Besinnung auf das, was »Technik«, »Sprache« und »Überlieferung« je for sich und in ihrem Zusammenhang sind, nimmt sich zunächst aus wie eine genauere Bestimmung der entsprechenden Begriffe. Allein, die Besinnung verlangt mehr, n1imlich das Umdenken der geläufigen Vorstellungen von den genannten Sachen. Dieses Umdenken geschieht nicht einer besonderen »Philosophic« zuliebe. Es ergibt sich aus dem Bemühen, in unserem Denken und Sagen solcher Grundworte wie »Technik«, »Sprache« und »Überlieferung« elem zu entsprechen, was heute ist. Ein einziger Vortrag kann allerdings nur Weniges


4 A.a.O., S. 33ff.


Martin Heidegger (GA 80-2) Vorträge (Teil 2: 1935-1967)

GA 80-2