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XXXV. Überlieferte Sprache und technische Sprache

durch die Tatsachen belegen. Aber es bleibt fraglich, ob dieses Richtige schon hinreicht in das Eigentliche (Eigenste6) der modernen Technik, d. h. in jenes, was sie im vorhinein und durchgängig bestimmt. Das gesuchte Eigentliche der modernen Technik muß erkennen lassen, inwiefern, d. h. ob und wie das in den fünf Thesen Ausgesagte zusammengehört.

Zwar zeigt sich elem aufmerksamen Blick bereits in den angeführten Thesen, daß die geläufigen Vorstellungen von der modernen Technik sich um einen Grundzug versammeln. Er läßt sich durch zwei aufeinander angewiesene Momente kennzeichnen:

Die moderne Technik gilt wie jede frühere Technik als etwas Menschliches, vom Menschen for den Menschen erfunden, vollzogen, entwickelt, gelenkt und gesichert. Um den anthropologischen Charakter for die moderne Technik zu bestätigen, genügt der Hinweis darauf, daß sie in der neuzeitlichen Naturwissenschaft gegründet ist. Die Wissenschaft verstehen wir als eine Aufgabe und Leistung des Menschen. Das Selbe gilt im erweiterten und umfassenden Sinne von der Kultur, als deren Teilbezirk die Technik betrieben wird. Die Kultur wiederum hat die Pflege, die Entfaltung und die Wahrung der Menschlichkeit des Menschen zum Ziel, die Humanität. Hier hat dann die viel verhandelte Frage ihr Feld: Ob überhaupt, und wenn ja, in welchem Sinne die Ausbildung in der Technik und somit diese selbst zur Menschheitsbildung etwas beitrage oder aber, ob sie diese gefährde und verwirre.

Mit der anthropologischen Vorstellung von der Technik ist zugleich das andere Moment gesetzt. Wir nennen es das instrurnentale. Das lateinische Zeitwort instruere besagt: an- und aufeinanderschichten, aufbauen, ordnen, gehörig einrichten. Das instrumentum ist das Gerät und Werkzeug, das Hilfs- und Beförderungsmittel - Mittel im allgemeinen. Die Technik gilt als etwas, womit der Mensch umgeht, was er in der Absicht auf einen Nutzen benützt. Die instrumentale Vorstellung von der Technik erlaubt, die bisherige Geschichte der Technik auf eine einleuchtende


6 [Nach Heideggers handschriftlicher Verbesserung in der Maschinenabschrift.]


Martin Heidegger (GA 80-2) Vorträge (Teil 2: 1935-1967)

GA 80-2