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XXXV. Überlieferte Sprache und technische Sprache

vorausberechenbar ist, gilt als seiend. Zum anderen enthält die leitende Fragestellung der Naturwissenschaft den Grundsatz des Vorrangs der Methode, d. h. des Vorgehens gegenüber elem, was in solchem Vorgehen gegen die Natur jeweils als ausgewiesener Gegenstand sichergestellt ist. Ein Kennzeichen dieses Vorrangs liegt darin, daß in der theoretischen Physik die Widerspruchsfreiheit der Satze und die Symmetric der Grundgleichungen im vorhinein mal3gebend bleiben. Durch den in der theoretischen Physik sich vollziehenden mathematischen Entwurf der Natur und durch das diesem Entwurf gemäße experimentelle Befragen der Natur wird diese nach bestimmten Hinsichten zu Antworten herausgefordert, gleichsam zur Rede gestellt. Die Natur wird daraufhin gestellt, sich in einer berechenbaren Gegenständlichkeit zu zeigen. (Kant)

Allein, gerade dieses herausfordernde Stellen ist zugleich der Grundzug der modernen Technik. Sie stellt an die Natur das Ansinnen, Energie zu liefern. Es gilt, diese im wortlichen Sinne bei- und her-zustellen, verfügbar zu machen. Dieses die moderne Technik durchwaltende Stellen entfaltet sich in verschiedene, unter sich zusammenhängende Phasen und Formen. Die in der Natur verschlossene Energie wire! aufgeschlossen, das Erschlossene wird umgeformt, das Umgeformte verstärkt, das Verstärkte gespeichert, das Gespeicherte verteilt. Diese Weisen, nach denen die Naturenergie sichergestellt wird, sind gesteuert, welche Steuerung ihrerseits sich wieder sichern muß.

Durch das Gesagte legt sich der Gedanke nahe, die neuzeitliche Naturwissenschaft, ihr betrachtend-beschreibendes Stellen der Natur auf eine berechenbare Gegenständlichkeit hin, könnte eine Spielart der modernen Technik sein. Dann müßte die geläufige Vorstellung vom Verh1iltnis der Naturwissenschaft und Technik umgekehrt werden: Nicht die Naturwissenschaft ist die Grundlage der Technik, sondern die moderne Technik ist der tragende Grundzug der modernen Naturwissenschaft. Wenngleich diese Umkehrung der Sache näher kommt, trifft sie nicht ihren Kern. Im Hinblick auf das Verhältnis der modernen Naturwissenschaft und der modernen Technik gilt es zu bedenken, daß das


Martin Heidegger (GA 80-2) Vorträge (Teil 2: 1935-1967)

GA 80-2