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XXXV. Überlieferte Sprache und technische Sprache

Dieser Anspruch ist mächtiger als jede menschliche Zwecksetzung. Ihn bejahen heißt nichts Geringeres als: ein Geheimnis im Walten dessen, was heute ist, anerkennen; heißt: einem Anspruch, der über den Menschen, über dessen Planen und Betreiben hinausliegt, entsprechen. Das Eigenste der modernen Technik ist kein bloß menschliches Gemächte. Der heutige Mensch ist selbst von elem Anspruch herausgefordert, die Natur auf die Bereitstellung von Energien hin herauszufordern. Der Mensch selbst ist gestellt, ist daraufhin angesprochen, dem genannten Anspruch zu entsprechen.

Wir kommen dem Geheimnis dessen, was heute in der technisch bestimmten Welt in Wahrheit ist, n1iher, wenn wir den im Eigentlichen der modernen Technik sprechenden Anspruch an den Menschen, die Natur auf ihre Energie herauszufordern, einfach anerkennen, statt vor ihm durch ohnmächtige, nur auf die Wahrung der Humanität beschr1inktc Zielsetzungen auszuweichen.

Doch – was hat dies alles mit der Sprache zu tun? Inwiefern wird es nötig, von der Techniker-Sprache, d. h. von einer durch das Eigenste der Technik bestimmten technischen Sprache zu sprechen? Was ist die Sprache, daß gerade sie auf eine besondere Weise elem Herrschaftsanspruch der Technik ausgesetzt bleibt?



Sprache


Von alters her gilt die Lehre, der Mensch sei im Unterscl1ied zu Pflanze und Tier das sprachfähige Wesen. Dieser Satz meint nicht mu, der Mensch besitze neben anderen Fähigkeiten auch diejenige, zu sprechen. Der Satz will sagen: erst die Sprache befähige den Menschen, dasjenige Lebewesen zu sein, das er als Mensch ist. Als der Sprechende ist der Mensch: Mensch. Doch wer oder was ist der Mensch? Und was heißt sprechen? Es genügt, diese beiden Fragen mu zu nennen, urn erkennen zu lassen, daß sich bier eine unübersehbare Fülle des Fragwürdigen auftut. Aber beunruhigender


Martin Heidegger (GA 80-2) Vorträge (Teil 2: 1935-1967)

GA 80-2