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XXXV. Überlieferte Sprache und technische Sprache

Sagen als das Zeigen und Erscheinenlassen des Anwesenden und Abwesenden, der Wirklichkeit im weitesten Sinne.

Sofern aber das Verhältnis des Menschen sowohl zu dem Seienden, das ihn umgibt und trägt, als auch zu elem Seienden, das er selbst ist, im Erscheinenlassen, im gesprochenen und ungesprochenen Sagen beruht, ist der Angriff der technischen Sprache auf das Eigentliche der Sprache zugleich die Bedrohung des eigensten Wesens des Menschen.

Halt man im Sinne der alles bestimmenden Herrschaft der Technik die Information wegen ihrer Eindeutigkeit, Sicherheit und Schnelligkeit der Vermittelung von Nachrichten und Anweisungen for die höchste Form der Sprache, dann ergibt sich daraus auch die entsprechende Auffassung des Menschseins und des menschlichen Lebens. So lesen wir bei Norbert Wiener, einem der Begründer12 der Kybernetik, d. h. der am weitesten ausgreifenden Disziplin der modernen Technik: »Die ganze Welt sehen und der ganzen Welt Befehle erteilen, ist fast das gleiche, wie überall zu sein.« (Mensch und Maschine13, S. 95) Und an anderer Stelle: »Tätig leben heißt mit angemessener Information leben.« (A.a.O. S. 114)

Im Gesichtskreis der informationstheoretischen Vorstellung der Sprache und des Menschen wire! dann auch eine Tätigkeit wie das Lernen technisch ausgelegt. So schreibt Norbert Wiener:

»Lernen ist seinem Wesen nach eine Form der Rückkopplung, bei der das Verhaltensschema durch die vorangegangene Erfahrung abgewandelt wird.« (A.a.O., S. 63)

»Rückkopplung ist [... ] ein sehr allgemeines Charakteristikum von Verhaltensformen.« (Ebd.)

»[ ] Rückmeldung ist die Steuerung eines Systems durch Wiedereinschalten seiner Arbeitsergebnisse in das System selbst.« (A.a.O. S. 65)


12 [Manuskript:] Mitbegründer

13 [Norbert Wiener, Mensch und Menschmaschine (!). (Autorisierte Übersetzung von Gertrud Walther.) Frankfurt a.M./Berlin: Metzner 1952.]


Martin Heidegger (GA 80-2) Vorträge (Teil 2: 1935-1967)

GA 80-2