Den technischen Prozeß der Rückkopplung, der durch den Reglerkreis gekennzeichnet ist, leistet eine Maschine ebenso gut - wenn nicht technisch überlegener - als das Meldesystem der menschlichen Sprache. Darum ist der letzte Schritt, wenn nicht gar der erste, aller technischen Theorie der Sprache zu erklären. »daß die Sprache nicht eine ausschließlich dem Menschen vorbehaltene Eigenschaft ist, sondern eine, die er bis zu einem gewissen Grade mit den von ihm entwickelten Maschinen teilt.« (Wiener, a.a.O., S. 78) Ein solcher Satz ist nur möglich unter der Voraussetzung, daß das Eigentliche der Sprache auf das bloße Zeichengeben. das Melden reduziert, d. h. verkümmert win!.
Indessen stößt auch die Informationstheorie der Sprache notwendig an eine Grenze. Denn »jeder Versuch, einen Teil der Sprache [durch Formalisierung in ein Zeichensystem] eindeutig zu machen, setzt schon den Gebrauch der natürlichen Sprache voraus, auch soweit sie nicht eindeutig ist.« (C. Fr. v. Weizsäcker, Sprache als Information14) Immer bleibt noch die »natürliche«, d.h. die nicht erst technisch erfundene und bestellte Sprache erhalten und gleichsam im Rücken aller technischen Umformung des Sprachwesens.
Was hier die »natürliche« Sprache genannt wire! - die nicht technisierte Umgangssprache -, heißt im Titel des Vortrags die überlieferte Sprache. Überlieferung ist nicht bloße Weitergabe, sie ist Bewahrung des Anfänglichen, ist Verwahrung neuer Möglichkeiten der schon gesprochenen Sprache. Diese selbst enthält und schenkt das Ungesprochene. Die Überlieferung der Sprache win! durch die Sprache selbst vollzogen, und zwar in der Weise, daß sie den Menschen dafür in Anspruch nimmt, aus der aufbehaltenen
14 [In: Die Sprache. Hg. von der Bayerischen Akademie der Schiinen Kiinst,·. (Verantw. für die Heel.: Clemens (;raf l'oclewils.) l\liinchen: Oldenbonrg 1959 ((;,, stalt und (;edanke. 5. Folge des Jahrbucl1s ckr llayerisch<'n Akademie clPr Schii nen Kiinste), S. 45-76; hier S. 70 ('foxt geringfägig urngestellt); Wiec!Prabelruck i11: Carl Friedrich von Weizsiicker, Die Einheit der Natur. 8. Aufl. l\liinchen: l)put,d1cr Tasche11buch Verlag 2002, S. 39-60; hic,r S. 56.J